Freiheit der Armut

Ist das nicht seltsam, daß die Armut etwas ist, was viele Menschen auf
der Welt verbindet, aber dennoch keiner mit dem anderen gemeinsam
haben möchte.

Offenbar gibt es noch Tabus in unserer Gesellschaft, über die niemand
reden möchte und die sich nur im Verborgenen abspielen. Gut für die
Politik, denn wenn es für ein Problem keine Öffentlichkeit gibt, dann
ist ja wohl alles in bester Ordnung nicht wahr? Diese Mentalität –
nichts sehen, nichts hören, nichts sagen spielt der Politik direkt
in die Karten. Es werden heutzutage wieder viele Probleme unter den
Teppich gekehrt mit großzügiger Unterstützung der Politik, die daran
einen nicht unerheblichen Anteil trägt und diese Haltung fördert. Und
wenn die Thematik Armut einmal Tagesgespräch ist, wird sie von der
Springerpresse/Google ins Gegenteil verkehrt oder lächerlich gemacht.

Nutznießer dieser Entwicklung sind eine Lobby von Reichen und Besser-
verdienern, die es sich bei uns gemütlich gemacht haben, weil sie
sich alle Freiheiten heraus nehmen können und dabei von der Politik
großzügig unterstützt werden. Ich nehme einmal die Hartz IV-Gesetze
in Deutschland, die für jeden Betroffenen ein Sprungbrett in die
dauerhafte Armut und Niedriglohnfalle sind. Verbunden mit behördlicher
Willkür und Schikanen sind sie ein Instrument, um die Menschen in Schach
zu halten. Viele sind dazu gezwungen mehrere Jobs anzunehmen, die dazu
noch schlecht oder unzureichend bezahlt werden, um zu überleben.

Im Anschluß reicht dann die Rente nicht einmal zum Leben, während
die Reichen und Konzerne die Profiteure einer Entwicklung sind, die
Zeitarbeit und Armut inzwischen längst als normalen Standard in unserer
Gesellschaft etabliert hat.

Und die mediale Berichterstattung ist entgegen der Wirklichkeit, überwiegend
durch Passivität geprägt oder steht dem Ganzen sogar positiv gegenüber.
Während die Tatsachen so aussehen, daß über 8.000.000 Menschen in
Deutschland Kompensationsleistungen beziehen müssen, weil sie mit dem Geld,
was sie verdienen nicht auskommen können.

Was macht die Politik daraus: Sie verkündet die Vollbeschäftigung und propagiert
die großartige Wirtschaftsleistung im europäischen Raum. Mich erinnert
das irgendwie ein wenig an die Verklärung der Propaganda im zweiten Weltkrieg,
wo man auch nur das erfahren konnte, was den Machthabern genehm war und diese
die Realität so dargestellt haben, wie es ihnen in den Kram passte.

Und darin liegt gleichzeitig das Unrecht: Das dieses anscheinend von einer
breiten Mehrheit akzeptiert und als gesellschaftlicher Usus scheinbar
„Normalität“ ist. Wir haben uns an Zustände gewöhnt, die Unrecht als einen
dauerhaften Zustand etabliert. Ich stelle mir die Frage, inwieweit man heute
wieder Parallelen zur Weimarer Republik ziehen kann und auch muß.

Denn die Geschichte lehrt eines: Kein Mensch sollte aufgrund seiner Herkunft,
fehlender Bildungsleistung, Krankheit oder Behinderung dazu verurteilt werden
müssen, ein Leben in Armut zu führen, in dem man ihm eine vernünftige Lebens-
grundlage entzieht oder gar nicht erst gewährt durch Niedriglöhne und unzu-
reichende Sozialleistungen.

Es ist genug Kapital vorhanden, um jeden satt zu machen. Niemand auf der Welt
bräuchte hungern, wenn die Resourcen gerecht verteilt würden. Kein Mensch müßte
Not leiden. Es gibt auch nicht, wie so oft verbreitet von gewissen „Wirtschaftseliten“
zu viele Menschen auf der Welt – sondern zu wenig Anteilnahme, Hilfsbereitschaft und
Solidarität untereinander. Denn würde man den Reichtum verteilen, hätten alle genug.
Und soweit mir bekannt ist, ist jeder Mensch zunächst einmal ein von Gott gewolltes
und geliebtes Wesen und wird nicht als Sklave der Wirtschaft geboren und wer
das menschliche Leben nicht als etwas Kostbares begreift, sondern als
Wirtschaftsgut, das man beliebig ausbeuten kann, der schaufelt sich
sein eigenes Grab.

Unrecht bleibt also Unrecht, auch wenn es politisch gewollt ist. Und wenn die
Gesetze dieses Unrecht verankern, dann sind die Gesetze unrecht und
stimmen nicht mehr mit den Bedingungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens
überein. Und wir leben heutzutage wieder in einer Gesellschaft in der das
Unrecht sich schleichend einen Platz sucht in einer Gesellschaftsordnung,
die geprägt ist von Protzerei und Geldgier. Es wird Zeit für einen Aufstand
der Anständigen unter uns. Es wird Zeit, das wir diesem Treiben nicht mehr
länger tatenlos zuschauen.

Zuschauen wie die politische Verantwortlichen durch ihr eigenmächtiges und
auf sich selbst ausgerichtetes Handeln diese Welt und unsere Zukunft an den
Abgrund führen und unseren Kindern ihrer Zukunftschancen berauben und dafür
sorgen, daß die Alten und Kranken in ständiger Angst und Verunsicherung
leben müssen. Das kann es nicht sein und ich bin der Meinung, das man das
abstellen kann und auch muß.

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